„Wir kriegen Kinder oder es ist aus!“ – Die täglichen Konflikte eines Antinatalisten

15/02/2019
2096 words

Über die Erfahrungen von Antinatalist*innen auf der Suche nach Liebe und Partnerschaft.

„Vergiss es, eine zu finden, die deinen Quatsch akzeptieren wird!“

So endete eine hitzige Diskussion mit meiner Großmutter, in der ich ihr zu erklären versuchte, warum ich nicht den Wunsch habe, Kinder in die Welt zu setzen. Derart wütende Auseinandersetzungen über meine Philosophie des Antinatalismus habe ich Dutzende Male mit Verwandten und Freunden erlebt.

In einer Sache hatte meine Großmutter allerdings recht, denn die Wahrscheinlichkeit eine Frau kennenzulernen, die meine Überzeugungen akzeptiert oder teilt, ist äußerst gering. Seitdem ich vor mehr als zwei Jahren ganz offiziell Antinatalist geworden bin, endeten die meisten meiner Beziehungen aus einem einzigen Grund: Meine Partnerin wollte Kinder und ich nicht. In den sozialen Netzwerken fand ich Gruppen speziell für Antinatalist*innen und stellte fest, dass es den meisten ging wie mir. Dort beschwerten sich viele über ihren mangelnden Erfolg, Lebenspartner*innen zu finden.

Bei mir entstand daher der Wunsch, über meine Erfahrungen zu schreiben und von den Problemen zu berichten, die ich mit anderen Menschen meiner Überzeugung bei der Suche nach Liebe und Partnerschaft teile. Mittels eines Onlineformulars in den sozialen Medien habe ich andere Antinatalist*innen befragt und mich gefreut, aus verschiedenen Ländern zahlreiche Antworten erhalten zu haben, deren Perspektiven meinen Bericht bereichern.

Gründe für meine antinatalistische Einstellung

Schon als ich ganz klein war, gab ich mich nie mit oberflächlichen Antworten auf meine Fragen zufrieden und wollte stattdessen bis zu den tiefen Wurzeln der Dinge vordringen. Deshalb war der Gedanke, der Gesellschaft dahin folgen zu müssen, wohin auch immer sie ging, für mich nicht leicht zu akzeptieren. Zu viele Schritte im Leben, wie die Elternschaft, schienen mir gesellschaftlich vorbestimmt und unreflektiert übernommen.

Außerdem will ich nicht verheimlichen, dass meine eigene Kindheit ziemlich schwierig und gefahrvoll war. Vielleicht konnte mich deswegen der Gedanke an eigene Kinder nie begeistern, denn wie konnte ich gewiss sein, meinen eigenen Kindern ein sicheres und würdevolles Leben ermöglichen zu können. Auch rein egoistische Motive für die Fortpflanzung – Kinder, die einen irgendwann pflegen könnten, wenn man alt und krank war, oder einem das Gefühl gaben, wichtig zu sein und gebraucht zu werden – kamen für mich nicht infrage.

Ein Kind zu zeugen wäre wie ein neues Opfer auf den endlos ermüdenden Weg des Lebens zu schicken

 

All diese Gedanken schwirrten ungeordnet in meinem Kopf umher. Ich wusste damals noch nichts von der Philosophie des Antinatalismus – bis ich eines Tages auf YouTube eine Szene aus der Krimiserie „True Detective“ sah, in der sich Ermittler Rust Cohle folgendermaßen äußert: „Wir sind Kreaturen, die es nach den Naturgesetzen gar nicht geben dürfte. Wir sind Dinge, die sich mit der Illusion abmühen, ein Ich zu besitzen. Diese Glorifizierung von sinnlichen Erfahrungen und Gefühlen, programmiert mit der vollkommenen Gewissheit, dass wir alle jemand sind, während in Wahrheit doch jedermann niemand ist. Der einzige Ausweg für unsere Spezies wäre, sich der Programmierung zu verweigern und sich nicht mehr fortzupflanzen. Hand in Hand dem Aussterben entgegenzusehen.“ Ich freute mich, dass es Menschen gab, die meine Gedanken teilten, und es dafür sogar einen geordneten Rahmen gab. Ich recherchierte zum Thema Antinatalismus und las viele Bücher, von denen das wichtigste David Benatars Better Never to Have Been: The Harm of Coming into Existence war. Darin argumentiert Benatar, Philosophieprofessor der Universität von Kapstadt / Südafrika, dass die Fortpflanzung eine unwillkürliche Konsequenz des Geschlechtsverkehrs sei, und nicht das Ergebnis der bewussten Entscheidung, neue Individuen zu erzeugen. Und selbst diejenigen Männer und Frauen, die sich bewusst für Kinder entscheiden, täten dies aus den verschiedensten Gründen, von denen jedoch kein einziger das Interesse des Kindes selbst berücksichtige, also die Frage, ob es für das Kind gut sei, geboren zu werden. Es brächte niemand ein Kind auf die Welt, weil dies im Interesse des Kindes selbst läge, so Benatar.

Aus meiner Sicht würde die Zeugung eines Kindes bedeuten, in dieser Welt endloser Katastrophen und eskalierender Rivalitäten, ein neues Opfer auf den endlos ermüdenden Weg des Lebens zu schicken. Die Anzahl der Kinder, die ich zeuge, ist dabei irrelevant. Wichtig ist, dass ich mich wahrscheinlich irgendwann in einem Moment wiederfinden werde, in dem ich meine Verantwortung ihnen gegenüber nicht erfüllen kann.

Offene Karten von Anfang an

Vielleicht zerbrachen meine Beziehungen deshalb stets so schnell, weil ich von Anfang an darauf bedacht war, meinen Standpunkt zur Fortpflanzung vollständig klarzumachen und dabei keinen Raum für die Hoffnung ließ, irgendwann auch nur teilweise davon abzuweichen. Beim ersten Treffen stellte ich mich sofort als „Antinatalist Abdalrahman“ vor.

Das hat natürlich Verwunderung hervorgerufen und manchmal auch den Eindruck, ich wollte die andere Person loswerden. Doch was ich eigentlich bezweckte, war, uns beiden Zeit und Aufwand zu ersparen, wenn unsere grundlegenden Vorstellungen und Erwartungen an eine Beziehung nicht zusammenpassten.

Für mich ist es unmöglich mich auf eine Beziehung einzulassen, all die Gefühle zu investieren und Erinnerungen zu teilen, ohne dass wir uns zumindest grundlegend einig sind, wie wir unsere Leben in Zukunft leben wollen. Das ist so, als ob du mit einem Zug fährst, von dem du nicht weißt, wohin er fährt.

Vom Natalisten zum Antinatalisten innerhalb einer Beziehung

Wir wissen nie im Voraus, wann genau der Tag kommt, an dem sich unsere Überzeugungen ändern werden. Deshalb passiert es häufig, dass wir genau dann feststellen, dass wir Antinatalist*innen sind, wenn wir uns mitten in einer Beziehung befinden, in der die Partnerin oder der Partner Kinder wünscht. So ist es mir ergangen. Als ich von dieser Philosophie erfuhr und darüber ausgiebig recherchierte, begannen die Diskussionen mit meiner Freundin, die ich mit logischen Argumenten von meiner neuen Perspektive zu überzeugen versuchte. Sie hielt jedoch weiterhin vollständig an ihrer Unterstützung für die Fortpflanzung fest.

Sie erklärte, sie habe selbst eine schwere Kindheit erlebt und wolle die psychischen Schäden, die sie davongetragen hatte, kompensieren, indem sie eigenen Kindern eine bessere Erziehung und Zukunft schenkt. Ihre Argumentation widersprach natürlich meinen neu gewonnenen Ideen und so kam es zu hitzigen Diskussionen zwischen uns – ein Tauziehen, das schließlich mit unserer friedlichen Trennung endete.

Tayyib, 27 Jahre aus Ägypten, berichtet, er habe aufgrund seiner antinatalistischen Einstellung schon unzählige Trennungen durchgemacht, darunter vier mit seiner jetzigen Partnerin, mit der er immer wieder zusammenkommt, obwohl sie weiß, wie er zu Kindern steht. Seit Kurzem denkt er, dass es wohl nie wirklich mit einer Frau funktionieren wird, wenn diese nicht auch Antinatalistin ist.

Soha (Name abgeändert), 28 Jahre aus Ägypten, sieht in der Vermeidung einer rechtzeitigen Diskussion nur die Aufschiebung von Konflikten. Sie hat noch nicht explizit mit ihrem Freund über ihre antinatalistischen Überzeugungen gesprochen und so gibt es keinen größeren Streit über die Sache. Letzten Endes hält sie die Konfrontation jedoch für unumgänglich.

Doch nicht allen ergeht es so wie mir und den bisher genannten Antinatalist*innen. Rabab (Name abgeändert), 25 Jahre aus Saudi-Arabien, hatte das Glück einen Partner zu finden, der ihrer Einstellung zustimmte. Sie war also nicht mit der schwierigen Situation konfrontiert, ihn entweder zu überzeugen oder sich zu trennen.

Liebe und Antinatalismus: Geht beides zugleich?

Die vielen erbitterten und anstrengenden Diskussionen mit Ex-Freundinnen, in denen sie mich von alternativen Lösungen zum Antinatalismus – die uns ermöglichen würden zusammenzubleiben – überzeugen wollten, werde ich nicht so leicht vergessen. So wurde mir zum Beispiel vorgeschlagen, vorerst nicht über Fortpflanzung nachzudenken. Die Freundin werde es sicherlich schaffen, meine Liebe zu Kindern zu wecken – und ein einziges Kind würde ja auch reichen, es müssten nicht mehrere sein. Eine andere Partnerin kam auf eine für mich verblüffende Lösung: Sie meinte, wir könnten die Beziehung weiterführen und wenn sich meine Einstellung nach der Ehe nicht ändere und ich mich trennen wolle, könnten wir ein Kind zeugen, uns trennen und sie würde allein für das Kind sorgen. Etwas Ähnliches schlug auch eine dritte Partnerin vor, die wollte, dass wir trotz allem Kinder bekommen, aus deren Erziehung ich mich völlig heraushalten sollte, um sie ihr allein zu überlassen.

Mich machten diese Vorschläge sauer, denn sie stempelten mich zum Exzentriker mit absurden Ideen ab. Also zog ich mich aus den Beziehungen zurück oder ließ sie einfach zwang- und kompromisslos einschlafen.

Es muss nicht immer der Partner oder die Partnerin sein, von denen der Druck zum Kinderkriegen ausgeht. Manchmal kommt er auch von der Gesellschaft oder von den Eltern, die sich Enkelkinder wünschen. Dieser Druck auf das Paar, das sich eigentlich gegen Kinder entschieden hat, führt immer wieder zu Konflikten oder bewirkt am Ende, dass die beiden nachgeben.

Der Preis, Nein zu sagen, wenn alle anderen Ja sagen

„Bitte Gott um Vergebung, sodass er nicht wütend auf dich ist, und dir die Gabe, Kinder zu zeugen, nicht nimmt“, sagte eine Verwandte, als ich ihr von meiner antinatalistischen Sichtweise erzählte. Ihrer Meinung nach war die Zeugungsfähigkeit eine Gabe, für die der Mensch Gott dankbar sein und die er beschützen müsse, und Elternschaft eine Phase, die zwangsläufig alle Menschen durchlaufen müssten – Hochzeit, Kinder, Erziehung, Tod.

Doch wie sind mir diese vorherbestimmten Pfade verhasst! Wie kann ich denn nur von einer Lebensstation zu nächsten leben, bei denen es nichts Neues gibt, die sich nur langweilig und trivial wiederholen? Dicht darauf folgt mein Hass auf die, bei Familientreffen so oft gestellte Frage: „Aber können wir uns denn nicht an deiner Hochzeit erfreuen?“. Als verwehrte ich ihnen ihre Freude, wenn ich nicht heirate und mich nicht fortpflanze! Die Frage traf bei mir nur auf Abweisung und ich antwortete: „Du kannst dich an dir selbst erfreuen“, oder: „Derzeit nicht“, oder: „Sind Verheiratete wirklich so glücklich?“.

So ist mir in den Augen meines Umfelds ein beklagenswertes Ende beschieden, da meine Rechnung für die Zukunft nicht aufgeht: Ich werde krank und einsam verenden, anstatt von Söhnen und Töchtern umgeben zu sein, die mich bedienen, umsorgen und bespaßen. In dieser Rechtfertigung spiegelt sich für mich jedoch nur äußerster Egoismus wider – denn wie kann ich ein Kind nur zu meinem persönlichen Vorteil in die Welt setzen?

Und wenn meinen Diskussionspartner*innen die weltlichen Argumente ausgehen, versuchen sie mich mit religiösen Texten gefangen zu nehmen. Diesen zufolge ist die Fortpflanzung eine religiöse Vorschrift, die zu missachten bedeutet, zum Sünder zu werden, dessen Handeln „Gott nicht erfreut“. Ich widersetze mich also den Lebensgewohnheiten, die dem Wohle unserer Existenz dienen.

Wenn auch das nicht überzeugt, werden manchmal alternative Lösungen vorgeschlagen, wie zum Beispiel eine Partnerin zu heiraten, die schon Kinder hat. Allerdings haben die meisten Antinatalist*innen kein Problem damit, ob das Kind biologisch ihr eigenes ist oder nicht, sondern mit jeglicher Existenz von Kindern überhaupt. Die meisten von ihnen wollen sich aus der Verantwortung, einem Kind eine gute und sichere Zukunft gewährleisten zu müssen, vollständig heraushalten.

Antinatalistinnen entsprechen nicht dem gesellschaftlichen Stereotyp der Frau

Wenn Antinatalist*innen gegen den Strom schwimmen und sich in sozialen Kontexten, bei der Arbeit oder in der Universität offen über ihre Einstellungen äußern, schwanken die Reaktionen zwischen Verhöhnung, Ablehnung, Wut und Funkstille. Osama al-Younis, 22 Jahre aus Syrien, berichtet zum Beispiel, dass seine antinatalistische Haltung zum Abbruch vieler Beziehungen mit Freunden und Bekannten geführt hat.

Bei Kinderlosigkeit wird deine Männlichkeit oder Weiblichkeit in Zweifel gezogen

„Ich will keine Kinder, aber dann werden die Leute sagen, ich sei kein echter Mann.“

Das sind die Worte eines Freundes, mit dem ich mich vor Jahren – bevor ich Antinatalist wurde – über seinen Wunsch nach einer kinderlosen Ehe unterhielt. Antinatalistische Männer sehen sich häufig einem Angriff mittels religiöser Texte und Gerede über menschliche Instinkte ausgesetzt, die sie mit den Erwartungen schablonenhafter Männlichkeit konfrontieren; einer Männlichkeit, die Potenz und Zeugungskraft zu maßgeblichen Kriterien erklärt. Im Gegenzug werden Männer, die aus Krankheitsgründen mit der Zeugung von Kindern spät dran sind, stigmatisiert. Ihre Krankheit wird als katastrophales Los angesehen, das ihre Maskulinität schmälert und der Familie Schande bereitet. Mit demselben Stigma sind auch Männer behaftet, die die Fortpflanzung ablehnen. Ihre Potenz wird von so manchen in Zweifel gezogen, wie Sharif (Name abgeändert), 27 Jahre aus Tunesien, erfahren musste. Als er offen über seine Philosophie des Antinatalismus sprach, unterstellten ihm einige Impotenz und sahen im Antinatalismus lediglich einen Vorwand, sich die Realität seiner vermeintlichen Krankheit nicht eingestehen zu müssen.

Auch Antinatalistinnen widersprechen dem gesellschaftlichen Stereotyp der Frau: dem bedingungslosen Wunsch nach Mutterschaft und ihrer fundamentalen Rolle als Mutter. Samar (Name abgeändert), 24 Jahre aus Ägypten, wurde von ihrem Umfeld als abnormal und verrückt betitelt. Hier herrscht wenig Verständnis für ihren mangelnden Wunsch, Mutter zu sein.

Die Illusion, dass uns Technologie zusammenbringt

Da Antinatalist*innen in arabischen Gesellschaften eine sehr kleine Minderheit darstellen, ist es schwierig für sie, passende Partner und Partnerinnen kennenzulernen. Aber selbst wenn man jemanden kennenlernt, ist der Erfolg der Beziehung natürlich nicht garantiert. Wie bei jeder Beziehung müssen noch viele andere Aspekte stimmen, was das Unterfangen zusätzlich erschwert.

Bei meiner eigenen Suche nach einer Partnerin in meinen Freundeskreis war ich erfolglos, eine konsequente Antinatalistin zu finden. Das Äußerste, zu dem die Frauen sich bereit zeigten, war die Diskussion über Kinder ein paar Jahre auf Eis zu legen, bis wir uns sicher waren, dass die Beziehung halten würde. Ich habe es anschließend mit Dating-Apps probiert, bin aber auch hier zu keinem erfreulichen Ergebnis gekommen. Zwar gab es Frauen, die ihre Haltung als antinatalistisch beschrieben, aber keine von ihnen antwortete mir. Über Facebook lernte ich eine Freundin kennen, die meine Überzeugungen teilte. Die Beziehung hielt jedoch nicht, da wir ansonsten zu unterschiedlich waren.

Manchmal überlege ich, den Antinatalismus aufzugeben, dann bin ich wieder fest entschlossen, daran festzuhalten.

Die gleiche Geschichte hat auch Marwa (Name abgeändert), 29 Jahre aus Ägypten, erlebt. Bei der Suche nach einem Gleichgesinnten nutzte sie Dating-Apps. Die Suchergebnisse seien jedoch ungenau gewesen, sodass sie keinen Antinatalisten fand.

Die Zukunft: Nachgeben oder standhaft bleiben?

Da ich mir wünsche, mein Leben mit jemandem teilen zu können, der Weg auf der Suche nach einer Partnerin jedoch bislang steinig war, überkommt mich hin und wieder die Verzweiflung. Manchmal überlege ich, den Antinatalismus aufzugeben, um meine emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen. Dann bin ich wieder überzeugt, dass diese Philosophie für mich die einzig logische und überzeugende ist. Vielleicht ist Ausdauer gefragt, denn Rabab aus Saudi Arabien gibt zu bedenken, dass sie lange gebraucht hat, um einen Menschen zu finden, der ihre Ideen und Einstellungen teilt.

Während wir auf den Tag warten, bis wir eine Partnerin oder einen Partner fürs Leben finden, neigen einige von uns zur Standhaftigkeit, andere zu mehr Flexibilität. Shahad (Name abgeändert), 22 Jahre aus Syrien, betont, ihre Einstellung auf keinen Fall ändern und dem Druck der Gesellschaft nachgeben zu wollen. Für sie käme nur ein Mann infrage, der in erster Linie ebenfalls dem Antinatalismus anhängt. Auch für Osama al-Younis ist der Antinatalismus völlig richtig und überzeugend. Er werde bis zu seinem letzten Lebenstag weiter nach einer antinatalistischen Lebenspartnerin suchen und wenn er sie nicht fände, eben als Single sterben.

Auf der anderen Seite stehen Menschen wie Maria, 23 Jahre aus dem Irak, deren Haltung etwas flexibler ist. Sie gibt an, noch nicht zu wissen, ob sie dem Antinatalismus treu bleiben wird oder nicht, da sie nicht allein leben will. Auch Soha aus Ägypten ist nicht allzu rigoros, denn Meinungen könnten sich über die Jahre ändern. Vielleicht werde sie sich also in ein paar Jahren dazu entscheiden, Kinder zu bekommen oder zu adoptieren. Ganz sicher ist sie sich jedoch, dies ganz frei und zwanglos selbst zu entscheiden, da Frauen in Sachen Schwangerschaft und Kindererziehung meist die größte Last der Verantwortung zu tragen hätten.

Die Frage, ob man entschlossen hinter seiner antinatalistischen Einstellung stehen wird, wenn der Partner oder die Partnerin auf Kinder besteht, oder doch nachgibt, ist für viele nicht leicht zu beantworten. Suad (Name abgeändert), 31 Jahre aus Ägypten, ist derzeit in einer Beziehung. Sie gibt jedoch zu, sich vielleicht irgendwann von ihrem Freund trennen zu müssen, wenn es zur Uneinigkeit in diesem Punkt kommt und sie sich zwischen Kindern und Beziehung einerseits und persönlicher Überzeugung und Trennung andererseits entscheiden muss.